Figurentheater LILARUM

Das Erfreuliche zu Beginn: In diesen Tagen feiert die Kinderinfo im MQ ihr 10-jähriges Bestehen. Trotzdem wir eh schon zusammen gefeiert haben – auch von dieser Stelle aus nochmals alles Liebe zu diesem Jubiläum. Für Familien sowie für uns Kinderkulturschaffende seid ihr jedenfalls eine der wichtigsten Einrichtungen der Stadt. 1000 Dank für eure Arbeit!


Es ist aber noch mehr passiert in der letzten Woche. Am selben Tag, an dem wir in der Kinderinfo gefeiert hatten, fand ich nämlich frühmorgens in meinem Büro-Postfach ein Interview aus dem Sonntags-Kurier vom 4. Dezember mit Thomas Birkmeir (Theater der Jugend), Annette & Peter Raffalt (Junge Burg) und Stephan Rabl (Dschungel). Ich will jetzt inhaltlich nicht im Detail darauf eingehen, nur eines erwähnt wissen: Dass die Frage danach, wie man Theater für Kinder und Jugendliche spannend macht, von allen Beteiligten damit beantwortet wird, dass man sie ernst nehmen muss und sich nicht denken darf, dass es ja eh nur für Kinder ist, stellt mit Sicherheit keinen Meilenstein für die Zukunft des Genres dar. Sicher ist die Antwort beileibe nicht falsch. Aber einerseits ist es ja wohl eh selbstverständlich, das zu tun, andererseits stelle ich mir die (sicher etwas provokante) Frage: sind Kinder wirklich so anspruchslos, dass es ausreicht, sie bloß ernst zu nehmen?!

Ich behaupte: Nein! Und da bin ich beim nächsten Ereignis selbigen Kinderinfogeburtstagsfeiertages – die Premiere von „Um die Ecke“ im Dschungel. Dem Autor des Stückes ist sicher nicht zu unterstellen, dass er Kinder nicht ernst nehmen würde. (Er hat auch selber zwei) Trotzdem hat dieses Stück de facto nicht funktioniert. Postdramatisches Sprechtheater (so habe ich es empfunden!) ist für zweijährige wohl eher nicht die geeignete Theaterform. (Sowieso ein heißes Thema: Ab wann ist es sinnvoll, mit seinem Kind ins Theater zu gehen?! Aber dazu andermal!) Die Bärin jedenfalls hat die Frage, ob ihr das Stück gefallen hat, mit einem klaren Nein beantwortet.

Und dann war da noch dieser unsägliche ORF-Film „Kebap mit alles“. Also, wenn das die Herangehensweise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens an die Integrationsthematik ist, werden wir wohl in absehbarer Zukunft Vorrangregeln für fliegende Wurstsemmerl erstellen und für unsere Politiker_innen Papamobile bauen müssen. Wie kann man nur so sehr darauf versessen sein, jedes erdenkliche Klischee in ein Drehbuch zu packen und es gänzlich flach zu stampfen?! Wenn am Schluss zumindest irgendwie Raum für ein wenig Reflexion bliebe, für das Hinterfragen von eigenen Vorurteilen … irgendwas!!! Aber nein, am Ende kriegt wird man noch damit konfrontiert, dass es die Frauen sind, an denen es scheitert, wo sich doch grad mal die Männer geeinigt hätten. Fazit: (Friedliches) Zusammenleben verschiedener Kulturen ist nicht möglich. Danke, ORF!

Und weil ich grad am Nörgeln bin – Weihnachtsfrieden? Nie gehört! – will ich kurz auch noch etwas ansprechen, das auch der Kiku Heinz im Kiku-Blog aufgreift: Nach dem bescheuerten Halloween-Scherz jetzt also auch ein kleiner Weihnachtsspaß von Jimmy Kimmel. Bitte, dazu aufzurufen, Kindern ein Packerl zu schenken, in dem nur irgendein Scheiß drinnen ist (faule Banane, PET-Flasche, etc.), sie dann beim Auspacken und Weinen zu filmen und das Video online zu stellen, ist meines Erachtens geistesgestört. Es auch wirklich zu tun, ist eine absolute Sauerei seitens der Eltern. Wie kann man sein Kind so verletzen und bloßstellen? Und dass sich das so viele anschauen… naja, Niveau ist eben keine Hautcreme!

Wie auch immer: Ich wünsche euch allen schöne freie Tage und einen guten Start ins neue Jahr. Ich empfehle, mit diesem Lied ins neue Jahr zu starten, das mir jetzt seit 2 Tagen nimmer aus dem Kopf geht … “I’ve seen christmas lights reflect in your eyes!” …

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Moritz’ Büro behandelt aktuelle Themen, Trends und Entwicklungen in der Kinderkultur- und Figurentheaterszene Wiens und Österreichs, sowie Gedanken zu Papa-, Familien- und Arbeitsleben. Es handelt sich dabei ausdrücklich um die Privatmeinung von Andreas Moritz. Feedback und Diskussion zu den veröffentlichten Beiträgen ist erwünscht und sowohl via Kommentarfunktion als auch per E-Mail möglich: andreas.moritz@lilarum.at

3 Responses to “Moritz’ Büro 5/2011: Kindertheater, Kebap, Kimmel”

  1. alex ohne büro

    ich geb dir bezüglich des jimmy kimmel videos in jedem wort recht. ich muss aber auch gestehen, dass mich kaum ein anderes video (speziell das mit halloween) JEMALS dermaßen gut unterhalten hat :-) shame on me! ;-)

  2. kiku-heinz

    danke, ein schöner rundum-kommentar-bogen.
    lg
    sowie fröhliche und so weiter…

  3. Andreas Moritz

    vielen dank. dir auch und so weiter. :)

    bis bald, a dopo! LG, a.

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