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Wann ist das richtige Alter, um Kinder zu kriegen?! Bin ich mit 20 zu jung, mit 40 zu alt? Ivy berichtet in ihrem Blog unter dem Titel “Die Übermutter. Oder: Die 40jährige, die es besser weiß” von ihren Erfahrungen, als sie selbst vor einigen Jahren mit 20 Mama wurde. Von dummen Sprüchen und Anfeindungen weiß sie in ihrem grundsätzlich lesenswerten Beitrag zu erzählen. Und doch vermisse ich am Ende ein Stückchen Weitsicht und Differenziertheit!

Ich selbst war nicht ganz so jung, als ich Papa der Bärin wurde. 29 Jahre zählte ich , genauso wie die Bärinnen-Mama. Und das war uns schon wichtig, denn wir wollten ein Kind haben, bevor wir 30 sind. Aber nicht, weil wir ältere Mütter und Väter schrecklich finden, sondern weil wir selbst jetzt und auch später junge Eltern sein wollen. Mittlerweile bin ich 31 und mit der Familienplanung gewiss noch nicht am Ende angelangt. Ich ziele zwar nicht darauf ab, mit 40 nochmal Nachwuchs zu kriegen, lieber wär mir früher. Aber das wird sich schon so ergeben, wie es soll.

Egal auch an dieser Stelle, denn unabhängig von meiner Lebenssituation macht es mich sehr nachdenklich, wenn ältere Eltern so pauschal abgeurteilt werden. Ich unterschreibe sofort das Plädoyer für einen natürlichen Umgang mit Kindern und schreibe mir diesen auch selbst zu. Mir fehlt da aber, um es österreichisch zu sagen, die Unschuldsvermutung. Erstens. Liebe Ivy, das von dir geschilderte Verhalten mancher Mütter und Väter ist mir natürlich wohl bekannt und es mag gut sein, dass die Auftretenshäufigkeit in der Teilmenge der älteren Eltern höher ist, als bei den jüngeren Eltern, aber ich kenne es durchaus auch von jungen, gerade auch sehr jungen Eltern. Das ist allerdings noch das geringere Übel.

Wirklich schlimm finde ich das plakative Öko-Bashing. Tut mir leid, aber es ist zu einseitig, mal einfach zu sagen, mir schmeckt der Öko-Scheiß auch nicht und Kinder spielen halt gerne mit bunten Plastiksachen also sollen sie es auch dürfen. Es kann nicht zielführend sein, über ein Extrem aus der Sicht des anderen Extrems zu berichten. Am Ende des Tages ist es nämlich die Dosis, die das Gift macht.

Denn abgesehen von der über viele Generationen gewachsenen “normalen Eltern-Verantwortung”, ist es mir wichtig, auch Werte zu vermitteln, die unseren Kinder eine umdenkende, neu strukturierte Gesellschaft ermöglichen. Eine bessere, hoffentlich. Die Kunst besteht dabei natürlich darin, dies möglichst so zu tun, dass den Kindern dabei keine “Kindheits-Einbußen” entstehen. Aber dabei hilft bestimmt nicht, wenn wir ihnen von klein auf lernen, dass Nachhaltigkeit und Toleranz automatisch mit Nachteilen verbunden sind!

Worum geht es mir? Ich bin überzeugt, so gerne Kinder wohl auch mit bunten Plastikspielsachen und Barbies spielen, so sehr muss ich schon auch überlegen, wo und wie dieses Glump produziert wird. Wer verdient an dem Scheiß? Und wer wird ausgebeutet? Und wohin mit dem ganzen Müll, den wir da gekauft haben? Und wohin mit dem Müll, der bei Produktion, Transport, etc. angefallen ist? Genauso verhält es sich beim Essen. Klar, die alte Diskussion um Farb- und Konservierungsstoffe und andere – teils tatsächlich gesundheitsschädliche – Zusatzstoffe. Die wird es immer geben, weil sie auch wichtig ist. Und da geht es um bedeutend mehr, als nur um Gummibärli oder nicht Gummibärli.

Die Frage nach der Wahl der Lebensmittel, die ich meiner Tochter “zumuten” will, beinhaltet für mich noch eine viel wichtigere Ebene. Wir sollten schon darüber nachdenken, woher die guten Dinge auf unseren Tellern kommen und ob es notwendig ist, dass alles immer verfügbar sein muss. Und wir müssen auch hier daran denken, wo und wie es produziert wird, und ob die Produzent_innen auch von der Produktion unserer Lebensmittel leben können. Denn passen die Rahmenbedingungen nicht, passieren Fehler. Und dann wohnen im Käse die Listerien, Menschen werden krank und wir schreien laut auf und fragen, wie das passieren konnte. Ja, wie wohl?!

Kurzum: Ich sehe es sehrwohl als unsere Erziehungsaufgabe, für unsere Kinder zu Gunsten des Besseren zu entscheiden. Auch mal gegen das Lärm machende in China & Co. produzierte – teils giftige – Plastik-Zeug. Das müssen wir lenken und natürlich auch erklären. Das ist unser Job! Einfach nur zu sagen, ja mei, sie isst halt so gern Gummibären und spielt so gerne Barbie, das ist mir absolut zu wenig. Da könnten wir ja auch sagen, wenn sie so gerne fernschauen, dann sollen sie doch den ganzen Tag. Was soll’s? Und wir könnten sie auch ins mieseste Kindertheater der Stadt setzen. Hauptsache den Kindern gefällt’s und es ist ja nur Kindertheater. Aber so einfach ist das für mich nicht. Diese Verantwortung können und dürfen wir nicht unseren Kindern überlassen. Es ist nämlich die unsrige!

Ich will meinen Teil beitragen, damit die nächste Generation von einem besseren Start weg sich auf in eine gerechtere Welt machen kann. Ich weiß freilich, dass ich auch kein Heiliger bin. Und dass ich noch so viel besser machen könnte und dass das Fleisch schwach, das Verlangen hingegen viel zu stark ist. Doch ich bin überzeugt, dass es uns jetzt gelingen kann, die Weichen zumindest mal in die richtige Richtung zu stellen. Ob junge Eltern, ob alte Eltern … Gemeinsam wäre es sicherlich bedeutend einfacher!

2 Responses to “Moritz’ Büro 4/2011: Sag mir quando? Jetzt!”

  1. Ivy

    Hallo,

    super, dass Du auf meinen Beitrag eingehst. So stell ich mir das vor ;)

    Also ich möchte schon auf nochmal Stellung nehmen. Das mit dem Öko-Bashing war etwas überspitzt und ist natürlich von mir nicht so (im real life) vorgesehen. Also ich kaufe durchaus auch Bio ein, wenn es sich mal ergibt. Aber auch was Süßigkeiten etc. betrifft (auch z.B. fernsehen und Video-Spiele), habe ich bei meinem Kind die Erfahrung gemacht: ich finde das Verbot schlechter als es zu erlaube. Warum? Weil ich finde, dass es wichtig ist, dass Kinder den Umgang damit lernen. Meine Tochter isst z.B. fast gar keine Süßigkeiten. Obwohl sie könnte. Bei uns liegen überall Gummibärchen und Schokolade rum. Aber es interessiert sie nicht. Ebenso der Fernseher, der Nintendo DS, das iPad, das iPhone etc.

    Und vl. hast Du ja gesehen, dass ich einen Tag später (oder waren es zwei?!) einen Post über Essen geschrieben habe. Ich denke der sagt eigentlich alles darüber aus, was ich meiner Tochter über Essen vermitteln möchte. Also auch Werte.

    Zugegebenermaßen war mein Post etwas polemisch. Ncihtsdestotrotz steckt auch dort etwas Wahrheit drin ;)

  2. Andreas Moritz

    Nun, ich hätte dich ja, ohne dich zu kennen, auch gar nicht so eingestuft, wie es dein Artikel vermuten ließe. Ich dachte schon, dass da fleißig überzeichnet wurde. Und auch die Wahrheit, die im Artikel steckt, kenne ich. Bloß war es mir einerseits zuwider, das unkommentiert stehen zu lassen, vor allem auch, weil der Artikel sehr viele RTs hatte und sicher sehr breit gestreut wurde. Andererseits war’s ein willkommenes Thema für meine eigene, noch sehr frische “Kolume” hier…

    Und wer weiß, ob ich wirklich so (sozial-) romantisch bin, wie ich mir hier gebe… ;)

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